Sie stellt die ungeschriebenen Gesetze der Hospitality Branche auf den Kopf: Caroline von Kretschmann

 

Redaktion: Marie Spitznagel

Meine Lieben, die Zeiten ändern sich. Das ist erstmal eine ganz sinnleere Aussage, aber keine Sorge, ich werde sie natürlich gleich mit Substanz füllen.

Wir haben ja alle zwei ... interessante Jahre hinter uns. Man könnte sie auch herausfordernd nennen, oder schlicht anstrengend, kräftezehrend und ziemlich furchtbar. Über all die verschiedenen Aspekte, wie diese Jahre vielleicht unser Leben auch langfristig verändert haben wurde schon viel nachgedacht. Ich möchte mich in diesem Text aber vor allem auf einen Aspekt konzentrieren – auf die Arbeitswelt. 

Zwischen Homeoffice auf der einen und extremer Überlastung auf der anderen Seite werden immer häufiger Stimmen laut, die fordern, unsere Herangehensweise an das Arbeiten komplett zu überdenken. Die Herausforderungen werden auf der Website „Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft“ so zusammengefasst:

„Die Auswirkungen der digitalen Transformation auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sind tiefgreifend. Auch die Arbeitswelt als wichtiger Lebensbereich ist in all ihren Facetten von diesen Veränderungen betroffen. Produktionszyklen, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle verändern sich und damit auch Arbeitsorganisation und -kultur in den Betrieben. (...) Auch die Erwartungen der Menschen an ihre Arbeit haben sich gewandelt. Viele wollen flexibler arbeiten – unabhängig von einem festen Arbeitsplatz oder einer starren Arbeitszeit. Sie wünschen sich eine ausgewogene Balance von Beruf und Privatleben, ohne dabei auf beruflichen Erfolg zu verzichten. Zugleich entstehen auch durch flexible Arbeitsmodelle neue Herausforderungen: Arbeit und Zusammenarbeit müssen anders organisiert werden und es bedarf der Entwicklung von Selbsttechniken, damit Arbeit und Privatleben nicht in einer Weise verschwimmen, die Gesundheit und Familienleben belasten.“

Caroline von Kretschmann

 Dabei geht es nicht nur darum, neue digitale Arbeitswelten sinnvoll zu erschließen, sondern auch um einen neuen Umgang mit Arbeitnehmer:innen. Dauerkontrolle durch Chefs und Chefinnen ist im Homeoffice nicht möglich, Vertrauen in die Arbeitnehmer:innen ist angesagt. Gerade diese Kontrolle aufzugeben, fällt vielen schwer. Aber ist es notwendig, acht Stunden am Schreibtisch zu sitzen, wenn alle Aufgaben nach sechs Stunden erledigt sind? Respekt, Vertrauen und Wertschätzung brauchen wir jetzt, statt Druck, Drohen und das Verlangen nach andauernder Erreichbarkeit.

Aber abgesehen von Bürojobs, in denen die Bewegung zu einer neuen Arbeit vermeintlich einfacher zu vollziehen sind, gibt es ja natürlich auch andere Bereiche, in denen das nicht geht. Oder doch? 

In diesem Text möchte ich euch eine geile Uschi vorstellen, die so im Kern vertritt, wofür diese Seite und diese Community stehen: Machen, Probleme aus dem Weg räumen und Power ohne auf externes „Empowerment“ zu warten! Denn, eine geile Uschi braucht niemanden, der ihr erlaubt, eine geile Uschi zu sein. Sie ist es einfach. So wie Frau Doktor Caroline von Kretschmann, die nicht weniger macht, als die ungeschriebenen Gesetze der Hospitality Branche auf den Kopf zu stellen – und ich wette, da hat sie auch niemanden um Erlaubnis gefragt.


In a world, where you can be anything: Be kind

Caroline ist die geschäftsführende Gesellschafterin des Europäischen Hof in Heidelberg, ein in vierter Generation privat geführtes 5 Sterne Superior Hotel. Nach ihrem Abitur machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau, studierte danach BWL, worin sie auch promovierte und arbeitete dann zunächst bei dem Beratungsunternehmen Bossard Consultants/Gemini Consulting GmbH als Projektmanagerin. Übrigens ist sie neben ihrer Tätigkeit im Europäischen Hof auch selbstständige Unternehmensberaterin in Berlin. Bäm.

Das ist schon alles ziemlich cool. Warum ich sie aber hier erwähne, ist ihre Art, dieses Hotel zu führen. Die Hotelbranche ist anstrengend, stressig und daher auch mit großem Personal-„Verschleiß“ verbunden. Das ist im Europäischen Hof anders. Das Haus hat 150 Mitarbeiter:innen, davon sind (je nach Jahrgang) 30 bis 40 Auszubildende, 40 der festangestellten Mitarbeiter:innen sind bereits mehr als 10 Jahre im Unternehmen, 10 Mitarbeiter:innen länger als 25 Jahre und fünf sogar mehr als 40 Jahre. Das hat natürlich einen Grund.

In den Artikel, die ich über Caroline las, wurde immer wieder ihre positive, freundliche und warmherzige Art hervorgehoben. 

„Vor unserem Interview reden wir über die Corona- Situation und die seit zwei Jahren angespannte sowie bedrohliche Lage für das 5 Sterne Hotel. Trotzdem erleben wir eine gut gelaunte, positiv gestimmte und sehr herzliche Gastgeberin.“, steht in einem Artikel von geneon-Leadership.de.


Das bezieht sich eben nicht nur auf den Umgang mit zahlenden Gästen, sondern auch mit den Mitarbeiter:innen. Caroline und ihre Mutter gehen positiv, höflich und fair mit ihren Mitarbeiter:innen um, unterstützen und kümmern sich.


Social Sustainability ist das neue Schwarz

Nachhaltigkeit ist ja das neue Lieblingswort von Marketingmenschen, die eine Marke oder ein Unternehmen hip, cool und am besten auch noch irgendwie „grün“ darstellen wollen. Soziale Nachhaltigkeit wird dabei gerne etwas stiefmütterlich behandelt, aber beinhaltet durchaus auch den Umgang mit den eigenen Mitarbeiter:innen, der darauf abzielt, sie lange zufrieden an das Unternehmen zu binden. 

Mitarbeiterführung, Coaching und die Mitarbeiterbeziehungen sind Carolines Herzensangelegenheiten und in allen Texten oder Interviews, die ich über sie oder mit ihr gelesen habe, habe ich das Wort „Personal“ entdeckt, die Rede ist vom Team, Mitarbeiter:innen, Kolleg:innen oder „im Hotel tätige Menschen“. Vor allem aber kennt sie den Wert ihrer Mitarbeiter:innen:

„Unser Ziel ist es, das herzlichste Luxushotel Deutschlands zu sein und dieses Ziel erreichen wir nur mit unseren Kolleg:innen, die sich vollständig diesem Ziel verpflichtet fühlen. Uns berührt es immer wieder, wenn Gäste diese Herzlichkeit wahrnehmen und auch die Tatsache, wie viel Liebe in jedem Detail steckt. (...)

wenn auch die Fluktuation bei unserem Personalstamm geringer ausfällt als bei vielen Mitbewerbern in der Branche. Dies ist wahrscheinlich auch ein Ergebnis unserer sehr kooperativen und herzlichen Unternehmenskultur, mit der wir erreichen, dass daraus dauerhafte und langjährige Arbeitsverhältnisse entstehen. (...) indem wir uns u.a. zu einem fairen Umgang mit unseren Mitarbeiter:innen, zu einer angemessenen Bezahlung über dem Mindestlohn, einer ständigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen, zur beruflichen Förderung und zum Angebot von selbstverantwortlichem Handeln verpflichten.“ mehr

Wünschen wir uns nicht, jeder Chef, jede Chefin, würde mit seinen/ihren Mitarbeiter:innen so umgehen?


Auf in ein neues Zeitalter: Das Zeitalter der Wertschätzung

Ganz ehrlich, es gibt einen Grund, nein eigentlich mehrere Gründe, warum ich so gerne für den Geile-Uschi-Kongress schreibe. Die inspirierenden Personen, die ich während des Schreibens so kennenlernen darf, sind nur ein Teil davon. GUK-Gründeriun und Chefredakteurin Henriette wertschätzt ihre freien Mitarbeiter. Wie sehr, könnt ihr nochmal nachlesen

Wenn die eigene Arbeit gesehen und gut gefunden wird, fühlt sich das nicht nur toll an, es entsteht eine Verbindung mit dieser Arbeit. Henriette ist für mich mehr als eine Person, die ihre Rechnungen bei mir bezahlt, damit ich meine Rechnungen bezahlen kann. Mir ist es wichtig, für sie die bestmögliche Arbeit abzuliefern. Und das gilt für die Mitarbeiter:innen im Europäischen Hof offensichtlich auch. Im Gegensatz dazu hatte ich durchaus Arbeitsverhältnisse, bei denen die Androhung des Jobverlustes Motivation genug hätte sein sollen. Ihr könnt euch vorstellen, dass mein Einsatz dort dann weitaus weniger enthusiastisch war. ___STEADY_PAYWALL___ Das kann wahrscheinlich jede:r nachvollziehen, oder?

In Zeiten, in denen in Deutschland großer Personalmangel herrscht und der BA-Chef öffentlich sagt, man bräuchte 400.000 zuwandernde Fachkräfte pro Jahr, um die deutsche Wirtschaft am Laufen zu halten, kann es sich kein Unternehmen leisten, seine Mitarbeiter:innen zu vergraulen. Im Gegenteil. Die alten Machtstrukturen, in denen Chef:innen bestimmen und Angestellte oder Auftragnehmer:innen kuschen, sind vorbei. Das weiß nur noch nicht jeder. 

Oder, um es mit Carolines Worten zu sagen: 

„Entscheidend ist, dass wir bestehenden und potenziellen Kolleginnen und Kollegen ein Arbeitsumfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen und weiterentwickeln können. Wir müssen sie angemessenen entlohnen, ihnen Fortbildungen, Schulungen oder Coachings zukommen lassen, Ansätze zur Optimierung der Work-Life-Balance und innovative Arbeitsmodelle müssen umgesetzt werden (...) Wir haben eine Unternehmens- und Führungsphilosophie, die wir als werteorientiert und emphatisch bezeichnen. An erster Stelle stehen bei uns die Mitarbeitenden, an zweiter der Gast und an dritter das Unternehmen. Denn wir sind davon überzeugt, dass das Gästeerlebnis nie besser sein kann als das Mitarbeitererlebnis. Zudem vertrauen wir unseren Kolleginnen und Kollegen und wollen Rahmenbedingungen schaffen, dass sie ihre Fähigkeiten freisetzen und ganzheitlich entwickeln können.“ mehr


Auf der Suche nach passenden Mitarbeitern ist Caroline übrigens auch aktiv auf Social Media unterwegs und sich dabei auch nicht „zu schade“, auf TikTok zu tanzen. Sie beantwortet auch alle Anfragen dort persönlich. Das macht sie nur noch sympathischer. 

Caroline von Kretschmann

An erster Stelle stehen die Mitarbeitenden, an zweiter der Gast und an dritter das Unternehmen

Was können wir jetzt also davon mitnehmen? Neue Zeiten erfordern neue Herangehensweisen. Caroline und ihre Eltern führen ihr superduper Luxushotel nicht wie eine Maschine, sondern wie eine große Familie mit Mitarbeiter:innen, die für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden und denen gezeigt wird, wie wichtig ihr Einsatz für das Unternehmen ist.

Sie haben verstanden, dass ihre Mitarbeiter:innen an erster Stelle stehen müssen, damit Gäste und das Unternehmen profitieren können. Neue Arbeitsformen lassen sich also nicht nur in Berliner Start-ups umsetzen, sondern nachweislich auch in Traditionsunternehmen. Vielleicht ist das auch etwas, dass die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffene Branche, das Handwerk, für sich mitnehmen kann.

Ohne gute und zufriedene Mitarbeiter:innen kann keine gute und zufriedenstellende Arbeit geleistet werden. Die Zeit der Feldwebel in Chefetagen ist vorbei. Ein Glück!


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Ein Artikel von Marie Spitznagel